Es ist ein paradoxes Bild: Die Bauzinsen steigen, die Belastung wächst – und dennoch kehren immer mehr Käufer auf den Immobilienmarkt zurück. Nach Jahren der Unsicherheit hat sich der Markt neu sortiert. Nicht mit Euphorie, sondern mit Pragmatismus. Käufer handeln kalkulierter, strukturierter, vorsichtiger – und genau deshalb nimmt das Finanzierungsvolumen wieder Fahrt auf. 2026 wird ein Jahr der Stabilität, nicht der Hoffnung auf fallende Zinsen. Und wer darauf spekuliert, könnte teuer bezahlen.

Die Zinswende fällt aus: Willkommen in der neuen Normalität
Lange hoffte man auf eine Trendwende. Doch die Faktenlage ist eindeutig:
Zinsen zwischen 3,5 und 4,0 Prozent werden auch 2026 die Realität prägen.
Die Europäische Zentralbank verharrt in einer Zinspause, während viele EU-Staaten unter steigender Verschuldung leiden. Dadurch wächst der Druck auf die zehnjährige Bundesanleihe – die wichtigste Orientierung für deutsche Hypothekenzinsen.
Die Folge:
Ein deutlicher Zinsrückgang ist nicht in Sicht. Wer weiter abwartet, spekuliert gegen einen Trend, der wirtschaftlich kaum Raum für Entlastung bietet.
Warum die Nachfrage trotz hoher Zinsen steigt
Während viele mit sinkenden Zinsen rechnen, wirkt ein anderer Faktor viel stärker: die Mietpreisentwicklung.
Die Schere zwischen Mietkosten und Eigenheimrate schließt sich zunehmend. In vielen Städten ist die monatliche Miete inzwischen kaum günstiger als die Finanzierung eines eigenen Objekts – teilweise sogar höher. Gleichzeitig steigen die Immobilienpreise wieder:
- Neubauwohnungen +3,4 % im dritten Quartal 2025
- in Metropolen deutlich höhere Anstiege
- anhaltender Mangel an Neubauten
Wer 2026 kauft, wird sehr wahrscheinlich nicht weniger Zinsen, aber höhere Kaufpreise zahlen. Das Zögern verliert damit seinen einzigen Vorteil.
Neue Spielregeln für Käufer: Vorbereitung schlägt Zinsspekulation
2026 ist das Jahr, in dem solide Vorbereitung den Ausschlag gibt.
Banken achten stärker auf:
- Eigenkapitalquote
- Energieeffizienz der Immobilie
- Nachvollziehbare Herkunft des Eigenkapitals
- vollständige und strukturierte Unterlagen
Fehler oder Verzögerungen führen schnell dazu, dass besser organisierte Käufer den Zuschlag erhalten.
Tipps für Käufer 2026:
- Möglichst viel Eigenkapital einbringen – es bleibt der entscheidende Hebel für bessere Konditionen.
- Zusatzsicherheiten nutzen, etwa lastenfreie Immobilien aus dem Familienbesitz.
- Immer mehrere Bankangebote vergleichen – Differenzen von bis zu 0,50 Prozentpunkten sind realistisch.
- Frühzeitig ein Finanzierungszertifikat besorgen, um bei Besichtigungen klare Seriosität zu signalisieren.
In einem Markt mit konstanten Zinsen gewinnt nicht der Schnellste, sondern der Bestvorbereitete.
Politik am Zug: Ohne Bauturbo wird Wohneigentum unerreichbar
Die Stabilisierung des Marktes ist bemerkenswert – doch sie verdeckt ein strukturelles Problem: Deutschland baut viel zu wenig.
Damit Wohneigentum auch für junge Käufer erreichbar bleibt, braucht es mehr als Marktanpassung. Notwendig sind:
- echte Beschleunigung von Baugenehmigungen
- staatliche Bürgschaften für Bauträger, um Neubauprojekte wieder möglich zu machen
- eine massive Ausweitung der KfW-Neubauförderung
- vereinfachte Standards und digitalisierte Verfahren
Erst wenn das Neubauangebot steigt, entspannen sich Preise und Mieten nachhaltig.
